18.10.2008
Ausgabe 5/2008, S. 11
PDF-Datei

Fehler im Praxisalltag

Wer war das noch mal?

In der Rubrik „Fehler im Praxisalltag“ stellen wir typische Alltagsfehler vor. Dieses Mal geht es um einen Patienten mit eingeschränkter Sprechfähigkeit.
Comiczeichnung Äskulapstab
Aus einer Praxis wird folgendes Ereignis berichtet:

Was ist passiert?

Ein unbekannter Patient kommt mit Schwindel in die Praxis. Seine Fähigkeit zu sprechen hat sich seit Stunden verschlechtert. Der Patient wird vom Arzt umgehend untersucht. Da weitere diagnostische Schritte erforderlich waren, wurde der Patient zügig in ein Krankenhaus verlegt. Bei der Besprechung des Falles im Team stellten wir fest, dass wir den Patienten nicht gefragt hatten, ob wir jemanden benachrichtigen sollen und in unseren Daten auch keine Kontaktperson führen. Das hätte aber wichtig sein können, wenn sich die Symptomatik weiter verschlechtert und der Patient gar nicht mehr hätte sprechen können oder weitere ZNS-Ausfälle dazu gekommen wären.

Was war das Ergebnis?

Dieses Ereignis hatte zum Glück keine negativen Folgen

Welche Gründe können zu diesem Ereignis geführt haben?

Es wurde einfach vergessen.

Wie hätte man das Ereignis verhindern können?

Bei allen potenziellen Notfällen sollte immer nach Kontaktpersonen gefragt werden. Bei ZNS-Patienten ist das besonders wichtig.

Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?

Ungenügende Kommunikation mit dem Patienten, Situation war nicht trainiert.

Kommentar des Instituts für Allgemeinmedizin:

Das Praxisteam hat fast alles richtig gemacht und doch etwas Wesentliches vergessen: Den Patienten zu fragen, ob Angehörige benachrichtigt werden sollen. In diesem Fall wären Angehörige nicht nur zum Beistand des Patienten wichtig gewesen, sondern vor allem auch als Informationsquelle bei der Anamneseerhebung, da sich der Patient nur eingeschränkt verständigen konnte. Folgende Tipps helfen hier weiter:

Dr. Isabelle Otterbach
Dr. Barbara Hoffmann

Azubis in Praxen – der DGB-Report

Mängel bei den Ausbildungsinhalten, zu viele Überstunden – der DGB-Ausbildungsreport 2008 wirft kein gutes Licht auf die Arbeit mit Azubis in Arztpraxen. Die Ärzte-Zeitung sprach mit der Vorsitzende des Verbandes Medizinischer Fachbereufe (VMF) über die Situation.

Ja, da werden Missstände angesprochen, aber … So könnte man die Reaktion der VMF-Vorsitzenden auf den DGB-Ausbildungsreport zusammen fassen. Dort waren die Medizinischen Fachangestellten (MFA) im Gesamtranking von Platz zwei im Vorjahr auf Platz 18 abgerutscht. Das Dramatische an dem Ergebnis: Für den Ausbildungsreport werden die Azubis selbst und nicht etwa die Praxen befragt.

Was Rothe besonders aufstößt, ist die Tatsache, dass der DGB die Medizinischen Fachangestellten mit den Pflegeberufen vermischt. Pflegeberufe und Medizinische Fachangestellte, so der Verband der medizinischen Fachberufe, seien aber zwei Paar verschiedene Schuhe. Wo Rothe dem Ausbildungsreport zustimmt, ist die Tatsache, dass bei sehr vielen Auszubildenden zur MFA Überstunden anfallen. Immerhin 43,6 Prozent der befragten Azubis in den Praxen geben an, dass sie regelmäßig Überstunden ableisten. Doch das sei nichts Neues: „Die Kolleginnen mussten schon immer viele Überstunden leisten.“

Nachholbedarf gibt es aber genug. Die Ausbildung ist komplexer geworden – einzelne Lernfächer gibt es nicht mehr, sondern nur noch thematisch gebündelte Einheiten. Da müsse man als Ausbilder auch einmal nachfragen, was gerade in der Berufsschule durchgenommen wird. Und auch in der Praxis mal theoretisches Wissen vermitteln, sagt Rothe. Dennoch bekomme der VMF viele positive Rückmeldungen. Dass die Ausbildung jetzt anspruchsvoller ist, werde bemerkt.

Aus der Ärzte-Zeitung


Fehler melden

In der Medizin können Fehler fatale Folgen haben. Und Sie können mithelfen, die Wiederholung von Fehlern zu verhindern. Melden Sie dazu Fehler, die in Ihrer Praxis passiert sind, anonym im Internet an das Fehlerberichts-und Lernsystem beim Institut für Allgemeinmedizin der Universität Frankfurt.

www.jeder-fehler-zaehlt.de