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Sprechstunde

Aus der Medizin

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Meldepflicht, Abrechnungsziffer und umfassende Info zum Coronavirus

Das Bundesgesundheitsministerium hat Anfang Februar eine Eilverordnung zur Meldepflicht für das Coronavirus erlassen. Danach müssen Ärzte alle Verdachts-, Krankheits-und Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus namentlich dem örtlichen Gesundheitsamt melden. Verdachtsfälle müssen abgeklärt werden. Zeitgleich haben KBV und der GKV-Spitzenverband eine Vereinbarung zur labordiagnostischen Abklärung getroffen. Danach übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bei begründeten Verdachtsfällen die Kosten für den Test auf das Coronavirus COVID-19 (SARS-CoV-2). Dafür wurde die Gebührenordnungsposition (GOP) 32816 in den EBM aufgenommen. Seit 28. Februar liegt die Entscheidung, ob ein Patient getestet werden soll, beim behandelnden Arzt. Als Orientierungshilfe gibt es ein Schema des Robert Koch-Instituts zur Verdachtsabklärung. Der Coronavirus-Test und alle anderen Leistungen im Zusammenhang mit Coronavirus-Infektionen oder Verdachtsfällen werden von den gesetzlichen Krankenkassen extrabudgetär vergütet. KBV und GKV-Spitzenverband haben zudem vereinbart, dass Fälle, bei denen ein klinischer Verdacht vorliegt oder eine Infektion mit SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, mit der Ziffer 88240 zu kennzeichnen sind. Das Robert Koch-Institut erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein. Es erstellt darüber hinaus eine Liste mit allen oft gestellten Fragen.

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Neue Studie zum Fleischverzehr

Forscher der Cornell Universität in Ithaca, New York, haben sich im Rahmen einer großen Metaanalyse mit diesem Thema beschäftigt und Daten von fast 30.000 Teilnehmern ausgewertet.

Ihren Ergebnissen zufolge waren schon zwei Portionen verarbeitetes oder unverarbeitetes rotes Fleisch pro Woche im Vergleich zu Fleischverzicht mit einem signifikant um sieben beziehungsweise drei Prozent erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert. Auch zwei Portionen Geflügel pro Woche waren mit einem um vier Prozent erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert, verglichen mit gar keinem Geflügelverzehr. Fischkonsum hatte dagegen keine negativen Auswirkungen auf die Herzgesundheit, allerdings auch keine positiven. Die Autoren der Studie konnten keine Verzehrmenge für rotes und verarbeitetes Fleisch feststellen, die völlig risikofrei wäre.

Mehr Wundinfektionen durch Klimawandel?

Daten aus dem deutschen Überwachungssystem für Krankenhaus-Infektionen OP-KISS sprechen für einen engen Zusammenhang zwischen der mittleren monatlichen Außentemperatur und der Häufigkeit postoperativer Wundinfektionen.

Daten der Charité zeigen, dass das Risiko postoperativer Wundinfektionen mit jedem Grad Celsius um ein Prozent steigt. Das klingt erst mal nicht viel, aber wegen der hohen Operationszahlen bedeutet es in Zukunft wahrscheinlich sehr viel mehr Wundinfektionen. Die Gesamtrate an Wundinfektionen betrug etwa 16 pro 1.000 Operationen. Das war auch der Wert in Monaten mit einer Mitteltemperatur zwischen 10 und 15 Grad Celsius. In Monaten mit einer Mitteltemperatur von 15 bis 20 Grad Celsius waren es dagegen 17,5 Infektionen und jenseits der 20 Grad 18,4 Infektionen pro 1.000 Operationen. In eiskalten Monaten waren es dagegen nur 15.

Volkskrankheit Rückenschmerzen

Laut dem aktuellen Heilmittelbericht des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) war mehr als ein Viertel (26,7 Prozent) von den 4,4 Millionen Rückenschmerzpatienten deswegen in den letzten fünf Jahren dauerhaft beim Arzt.

Chronische, unspezifische Rückenschmerzen betreffen mehr Frauen als Männer: 2017 waren knapp 2,6 Millionen der 4,4 Millionen AOK-Patienten weiblich. Insgesamt leiden somit rund 20 Prozent aller AOK-versicherten Frauen und fast 15 Prozent der Männer unter chronischen, unspezifischen Rückenschmerzen. Die Rate steigt mit zunehmendem Lebensalter kontinuierlich an und ist in den letzten Jahren vor dem Renteneintritt bei beiden Geschlechtern am höchsten. Die Behandlung zieht sich teilweise über mehrere Jahre hin: Unter den AOK-versicherten Rückenschmerzpatienten des Jahres Volkskrankheit Rückenschmerzen 2017 waren 65,5 Prozent bereits 2016 in Behandlung und 26,7 Prozent dauerhaft seit 2013. Während Schmerzmittel beiden Geschlechtern in etwa gleich hohem Umfang verordnet werden (Frauen 78,3 Prozent, Männer 76,7 Prozent), zeigen sich bei der Inanspruchnahme von physiotherapeutischen Angeboten klare Geschlechterunterschiede: Bei den Frauen nutzt rund ein Drittel der Patientinnen (33,2 Prozent) eine Physiotherapie, bei den Männern nur ein Viertel (24,6 Prozent).

Für Patienten mit chronischen, unspezifischen Rückenschmerzen hat der Gemeinsame Bundesausschuss im Oktober 2019 die Grundlage für Disease-Management-Programme (DMP) verabschiedet.
www.aok-gesundheitspartner.de

Grippeimpfung: An Risikopatienten denken

Recall-Management sollte in modernen Arztpraxen eigentlich selbstverständlich sein. Wer Patienten zum Beispiel an Impfleistungen erinnert, tut nicht nur etwas für das Marketing. Er hilft auch dabei, die medizinische Versorgung der eigenen Patienten zu systematisieren. Paradebeispiel für diese Doppelfunktion eines guten Recall-Managements ist die Grippeimpfung.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Impfraten von 75 Prozent in Risikogruppen, die bislang in keinem Land Europas erreicht werden. Zu den Risikogruppen zählen alle Personen ab 60 Jahren, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, chronisch Kranke und Schwangere. Nicht vergessen sollten Sie auch die eigene Grippeimpfung, denn sonst drohen Ausfälle, die den Praxisbetrieb gefährden können. Eigentlich sollte dies natürlich alles Routine im Praxisteam sein. Aber wer das Thema jetzt in der Teamsitzung anspricht, kann viel gewinnen.

Kinder: Schlecht essen heißt schlecht leben

Rund 200 Millionen Kinder weltweit sind laut einem Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef aufgrund von zu wenig oder falscher Ernährung krank: 149 Millionen Kinder sind in ihrer Entwicklung gehemmt, 340 Millionen Kinder nicht ausreichend mit Vitaminen oder Nährstoffen versorgt und 40 Millionen Kinder übergewichtig. Das liegt laut Unicef daran, dass ein Großteil der Kinder nicht lange genug Muttermilch bekommt und danach zu wenig oder falsche Nahrung: Fast 45 Prozent der Kinder unter zwei Jahren bekämen kein Obst oder Gemüse, fast 60 Prozent keine Eier, Milchprodukte, Fisch oder Fleisch, später dann zu viel Fastfood und zuckrige Getränke. Trotz aller Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten haben wir den Fakt aus den Augen verloren, sagte Unicef-Chefin Henrietta Fore: Wenn Kinder schlecht essen, leben sie schlecht.


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