17.02.2009
Ausgabe 1/2009, S. 10
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Tipps für die Praxis

Richtig kodieren

Die richtige ICD-Kodierung hat durch den Morbi-RSA an Bedeutung gewonnen. Wir fassen die wichtigsten Punkte noch einmal zusammen.
Männchen mit Haken
© ioannis kounadeas – Fotolia.com
Wenn Arzt und Praxisteam eine Krankheit nicht korrekt kodieren, hat das oft direkte Auswirkungen auf die Höhe der Zuschläge für die entsprechende Krankenkasse. Ein Beispiel: Eine Frau, 39 Jahre alt, leidet an einem Diabetes mellitus Typ I und erhält eine intensivierte Insulintherapie. Bei korrekter Kodierung erhält die Kasse 974 Euro, die für alle Frauen dieses Alters zugewiesen werden, sowie 3.115 Euro als Ausgleichszahlung für den Typ-1-Diabetes. Wird die Diagnose nicht kodiert, muss die Kasse auf die Diabeteszuweisung verzichten, aber gleichzeitig die Kosten u. a. für Teststreifen und Insulin tragen.

Unzureichende Kodierungen sind in der Praxis keine Seltenheit. So fand ein Gutachten des Bremer Instituts für Präventionsforschung und Sozialmedizin heraus, dass bei 10,3 % der Patienten mit Insulinverordnung keine passende Erkrankung verschlüsselt wurde. Dagegen lagen orale Antidiabetika in der Liste der am häufigsten verordneten Arzneimittel für Typ-1-Diabetiker an dritter Stelle, obwohl sie für die Therapie des Typ-1-Diabetes nicht geeignet sind. Generell attestierten die Bremer Forscher der Kodierung in der Hausarztpraxis aber eine hohe Qualität.

Diese hohe Dokumentationsqualität ist auch deshalb wichtig, weil sie ein realistisches Bild des medizinischen Versorgungsbedarfs erlaubt. Der Morbi-RSA ist dabei ein lernendes System, das laufend weiterentwickelt und angepasst werden kann – vorausgesetzt, die zugrunde liegenden Kodierungen stimmen auch. Die wichtigsten Punkte haben wir deshalb noch einmal im Kasten für Sie zusammengefasst.

Gerechtere Verteilung

Hanebüchener Unsinn ist übrigens die immer mal wieder geäußerte Vorstellung, eine Krankenkasse würde jetzt an einem schwer erkrankten Versicherten mehr „verdienen“ als an einem gesunden. Der Morbi-RSA stellt nur sicher, dass die vorhandenen Mittel auch entsprechend dem durch Krankheiten bedingten Bedarf verteilt werden. So können sich die Krankenkassen besser um schwerwiegend oder chronisch Kranke kümmern. Dadurch wiederum können Folgeerkrankungen zum Teil verhindert werden. Durch den Morbi-RSA sind die Weichen in die richtige Richtung gestellt – helfen Sie als Praxisteam mit, diesen Weg auch konsequent zu gehen.

Die wichtigsten Kodiertipps im Überblick

Alle vorliegenden Krankheiten dokumentieren

Alle Diagnosen, zu denen beraten und behandelt wurde, sollten auch in der Dokumentation erfasst werden.

So spezifisch wie möglich dokumentieren

Die Diagnose sollte die zugrunde liegende Erkrankung so genau wie möglich beschreiben. Auch Komplikationen müssen berücksichtigt werden.

Vollständige ICDs verwenden

Um den Schweregrad korrekt zu dokumentieren, sollte immer bis auf die letzte nach ICD-10 vorgeschlagene Stelle verschlüsselt werden.

Zusatzinformationen angeben

Ist die Diagnose gesichert, sollte das durch den Zusatz „G“ dokumentiert werden.

Chronische Diagnosen kontinuierlich dokumentieren

Für optimale Kodierqualität sollte die Behandlung aller chronischen Diagnosen auch regelmäßig dokumentiert werden.

Dokumentation im Verlauf anpassen

Erkrankungen können sich im Verlauf ändern. Deshalb sollte die Verschlüsselung bei Bedarf neu angepasst werden.