Das Magazin für Medizinische Fachangestellte

Gesundheitsinformationen im Internet

Praxis im Web?

Patienten informieren sich gerne im Internet – und konfrontieren Arzt und Praxisteam dann mit ihren „Erkenntnissen“. Wir sagen, was Sie für die tägliche Praxis über die Qualität von Gesundheitsinformationen im Web wissen sollten.
Laptop
© Yanik Chauvin – Fotolia.com
Wie wichtig das Internet bei Gesundheitsfragen inzwischen ist, belegt eine von der EU geförderte Studie über „eHealth Trends“, die Ende letzten Jahres veröffentlicht wurde. Demnach hat sich die Internet-Nutzung in Gesundheitsfragen zwischen 2005 und 2007 von 44% auf 57% der deutschen Bevölkerung erhöht. Die Menschen suchen im Netz nach Informationen über bestimmte Erkrankungen, tauschen sich online mit anderen Betroffenen aus und bestellen Medikamente über den Computer.

Zu ähnlichen Zahlen kommt eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung, die in Deutschland detaillierter nach den Gründen für die Onlinerecherchen fragte. Ein größerer Teil der Suche bezieht sich danach auf Informationen zur gesunden Lebensweise und Tipps zur Vermeidung von Krankheiten, gefolgt von Informationen zu Erkrankungen und Krankheitssymptomen. Wie zu erwarten, ist ein großer Teil der Infosucher dabei selbst von Krankheit betroffen oder hat einen Betroffenen im unmittelbaren sozialen Umfeld.

Andere Sichtweisen

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Auswirkungen auf das Arzt-Patienten-Verhältnis. Aus Sicht der Patienten ist das einfach: 63% besorgen sich ohnehin vor einem Arztbesuch noch Informationen zu ihren Beschwerden, 45% bringen diese Informationen auch in das Arztgespräch ein und zwei Drittel haben dann das Gefühl, dass ihr Arzt dies positiv aufgenommen hat.

Ärzte sehen das differenzierter. Zwar überwiegt das grundsätzlich Positive, weil es ein Eigeninteresse des Patienten dokumentiert. Für die meisten erübrigen sich weitere Erklärungen aber keinesfalls und zwei Drittel der Befragten äußern die Befürchtung, dass die Infos aus dem Netz ein Gemisch aus Wahrheiten und Halbwahrheiten enthalten, die Patienten womöglich mehr verwirren als informieren. Und sie liegen damit sicher nicht ganz falsch.

Der mit Abstand häufigste Weg zu einer Information im Internet führt auch bei Gesundheitsinformationen über Google. Welche Treffer dabei präsentiert werden, können Sie einfach selbst ausprobieren. Gibt man zum Beispiel Hepatitis ein, so tauchen unter den ersten zehn von insgesamt 840.000 Seiten mit deutschsprachigen Inhalten Portalseiten wie Wikipedia, Onmeda und Netdoktor auf, aber auch schon die Informationsseiten von drei verschiedenen Pharmafirmen. Und nicht zu vergessen die thematisch relevanten Textanzeigen, die rechts von der Trefferliste eingeblendet sind. Damit verdient Google gutes Geld, diese „Anzeigen“ sind für viele Nutzer kaum von den „echten“ Treffern zu unterscheiden.

Finden ohne Google?

Entscheidend für die Nutzbarkeit der Informationen ist ihre Qualität und die Verständlichkeit. Während der Patient die Lesbarkeit der Texte noch ganz gut selbst beurteilen kann, wird es bei der inhaltlichen Qualität schwierig. Was ist wirklich wissenschaftlich abgesichert und was interpretiert ein Hersteller nur in Studiendaten hinein? Dazu sagt Google natürlich nichts, doch was ist die Alternative ?

Sicher sind es nicht die einer Krankheit entsprechenden Domainnamen. Internetadressen wie www.hepatitis.de befinden sich oft im Besitz eines Herstellers oder Vertreibers von Präparaten für die jeweilige Indikation. Das soll nicht heißen, dass Pharmasites grundsätzlich minderwertige Informationen bieten. Nein, oft sind sie sogar exzellent aufbereitet. Aber sie haben nicht das Ziel zu informieren, sondern zu verkaufen. Und das muss man wissen. Noch schlimmer sind die Seiten von sogenannten „Domaingrabbern“, die den Namen einer oft vorkommenden Krankheit registriert haben und meistbietend verkaufen wollen (z. B. www.magengeschwuer.de). Sie verlinken auf jeden Anbieter im Internet, der dafür zahlt.

Wie es besser gehen kann, zeigt zum Beispiel die Patienten-Website des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen unter der Internetadresse www.gesundheitsinformation.de. Hier stehen nur geprüfte medizinische Informationen, die durch Studien belegt sind. Das Portal von Bundesärztekammer und KBV unter www.patienten-information.de ist dagegen eine Art Linkliste, die bei der Orientierung im Netz hilft. Sie verweist auf andere Seiten im Internet, die von Fachleuten betrachtet und bewertet worden sind. Weitere Angebote finden Sie bei den Krankenkassen. So bietet zum Beispiel die AOK im Netz medizinische Informationen, die auf umfangreichen Datenbanken basieren (www.aok.de > Gesundheit > Medizinische Informationen). Außerdem im Angebot: Ein Krankenhausnavigator. Die BARMER stellt unter anderem das von der Bertelsmann-Stiftung entwickelte Krankenhaussuchportal (www.weisse-liste.de) ins Netz.

Transparenzkriterien

Screenshot Internetseite www.gesundheitsinformation.de

Zuverlässige Informationsquellen zeichnen sich durch Transparenz aus. Jeder sollte erkennen, woher die Informationen stammen.

Wenn Sie dennoch via Google im Internet suchen, weil Sie sonst nicht fündig geworden sind, sollten Sie sich an den Transparenzkriterien orientieren, welche das Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem e.V. (Afgis) entwickelt hat (www.afgis.de). Dazu gehört unter anderem Transparenz über:

  • den Anbieter Wer steht hinter diesem Internet-Angebot? Eine Privatperson, ein Unternehmen oder eine Fachgesellschaft. Schauen Sie ins Impressum.
  • die Zielgruppe Richtet sich die Information an Wissenschaftler oder an die Verbraucher? Es sollte deutlich werden, ob es sich um Sach- oder Werbeinhalte handelt und was den Anbieter dieser Informationen bewegt. Das verlangt auch das Heilmittelwerbegesetz.
  • die Autoren Wer hat die Informationen verfasst und welche Quellen wurden benutzt? Haben wir es mit der Einschätzung einzelner Personen zu tun oder mit wissenschaftlich fundierten Studienergebnissen?
  • die Aktualität der Daten Das Wissen von vor zehn Jahren kann heute längst veraltet sein. Gesundheitsinformationen müssen sich deshalb immer am aktuellen Forschungsstand orientieren.

Das Afgis hat ein eigenes Qualiätssiegel entwickelt, das Websites verliehen wird, die sich an die Transparenzkriterien halten. Das sorgt für eine gewisse Basisqualität.

Webtipps

Mit der Frage der Qualitätssicherung von Gesundheitsinformationen im Internet befassen sich viele Experten.

www.gesundheitsinformation.de
Seiten des IQWiG mit evidenzbasierten Patienteninformationen

www.hon.ch
Angebot der Stiftung Health On the Net

www.afgis.de
Aktionsforum für mehr Qualität von Gesundheitsinformationen

www.patienteninformation.de
Plattform des FB Gesundheitswissenschaften der Universität Hamburg

www.patienten-information.de
Portal von Bundesärztekammer und KBV zur qualitätsgeprüften Patienteninformation