Das Magazin für Medizinische Fachangestellte

Fort- und Weiterbildungen für MFA – eine Übersicht

Im Weiterbildungslabyrinth

Das Angebot an Fort- und Weiterbildungen für MFA ist unübersichtlich wie ein Labyrinth. Wir haben verschiedene Wege erkundet und sagen Ihnen, was Sie zum Ziel führt – und was eher in die Irre.
© Bertold Werkmann fotolia.com
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Wissen veraltet schnell und wer als MFA auf dem Laufenden bleiben will, muss sich ständig fortbilden. Bei solchen Fortbildungen geht es normalerweise um ein spezielles Thema, das entweder die fachlichen Fertigkeiten oder die persönliche Entwicklung fördert. Die Themen heißen dann zum Beispiel Blutabnehmen – Fehlerquellen und Fallstricke, Gespräche sicher und patientenorientiert führen oder Strukturierung der Wartezeiten. Darüber hinaus gibt es Weiterbildungen, die sich mit einem ganzen Themenkomplex auseinandersetzen. Damit können Sie eigene Handlungskompetenzen erweitern und Ihre beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten verbessern. Es gibt dabei verschiedene Wege, die einer weiterbildungswilligen MFA zur Verfügung stehen.

Fachwirtin

© Franz Pfluegl fotolia.com
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Als „Betriebswirtin im Gesundheitswesen“ haben Sie auch Chancen auf eine leitende Funktion, etwa in einem MVZ.

Die einzige offizielle Weiterbildung für eine MFA ist die zur Fachwirtin, die früher Arztfachhelferin hieß. Man absolviert sie in der Regel berufsbegleitend über zwei Jahre, mit vielen eLearning-Kursen und gelegentlichen Präsenzveranstaltungen am Wochenende. Anbieter gibt es reichlich, die Palette reicht von der Bundesärztekammer bis zu Privatfirmen. Wer die Weiterbildung erfolgreich absolviert darf immer mit Schulterklopfen rechnen, aber nicht immer mit mehr Geld. Jüngere Kolleginnen kommen so schon mal eine Tarifgruppe höher, ist man aber schon in TG4, gibt es meistens nicht mehr. Viele Kurse zur Praxismanagerin, wie sie vor allem von privaten Instituten angeboten werden, bewegen sich in einer Grauzone. Sie sind weder anerkannt, noch bringen Sie unbedingt Vorteile. Dafür helfen die guten davon Ihnen, Ihre persönlichen Fähigkeiten weiter zu entwickeln.

Die bessere Wahl ist oft die Betriebswirtin im Gesundheitswesen, wie sie u.a. von manchen Industrie- und Handelskammern angeboten wird. Mit einer solchen Ausbildung kann man beispielsweise eine leitende Funktion in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) anpeilen. Wer keine Angst davor hat, sich hauptsächlich mit Arbeitsplänen, Einkauf und Rechnungstellung zu beschäftigen, kann so einen Job mit mehr Verantwortung und guter Bezahlung finden.

Qualitätsmanagerin

Nachdem das Thema Qualitätsmanagement im Klinikbereich schon seit mehr als zehn Jahren eine hohe Priorität genießt, ist es jetzt auch im ambulanten Bereich angekommen. Getriggert zum einen durch die gesetzlichen Vorgaben, die ab 2011 eine Überprüfung der QM-Maßnahmen in Arztpraxen vorsehen. Ausgelöst aber auch durch die vielen jungen Ärzte, die jetzt Praxen übernehmen und die Vorteile eines vernünftigen Qualitätsmanagements in der Klinik kennengelernt haben.

Der Bereich QM ist deshalb ein breites Betätigungsfeld für MFA, die ihre Kompetenzen erweitern und sich Aufstiegsmöglichkeiten erarbeiten wollen. Das Problem: Man muss sich von Beginn an für einen Anbieter – TÜV oder DGQ – entscheiden, denn ein Übergang von einem zum anderen System ist praktisch unmöglich. Eine entsprechende Ausbildung bieten viele Anbieter von der zuständigen KV bis zum TÜV an. Oft gibt die räumliche Nähe zum Wohnort den Ausschlag, und da hat der TÜV mit seinen vielen Seminarorten die Nase oft vorn.

Auditieren und zertifizieren

Als geprüfte Qualitätsmanagerin kann man nicht nur das QM der eigenen Praxis auf Vordermann bringen und darauf hoffen, dass sich das eines Tages auch finanziell auszahlt. Hat die Praxis Bedarf, wird sich der Chef vielleicht an den Ausbildungskosten von rund 2.000 Euro beteiligen. Wenn Sie eine Auditorenausbildung anschließen, können Sie danach auch andere Praxen bei QM-Fragen beraten. Wenn Sie sich dann nach erfolgreichem Abschluss beim Zertifizierungsbüro registrieren lassen, können Sie auf Einsatzzeiten bei der QM-Beratung hoffen. Für eine Auditierung, die je nach Erfahrung und Größe der Praxis zwischen zwei und vier Tagen dauern kann, darf man zwischen 700 und 1.000 Euro in Rechnung stellen.

Ins QM-Umfeld gehört auch der Datenschutz. Er sollte eigentlich Chefsache sein, doch mancher Praxisinhaber hat für IT- und Organisationsdinge nicht immer das rechte Talent. Verpflichtend ist ein Datenschutzbeauftragter ab neun Personen im Betrieb. Das muss aber kein Angestellter sein, der Chef kann das auch als Dienstleistung einkaufen. Als Datenschutzbeauftragte genießt man oft nicht den höchsten Sympathiewert im Kollegenkreis – wer das macht, muss manches auch gegen Widerstände durchsetzen.

Medizinische Optionen

© Yuri Arcurs fotolia.com
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Für Dialyse, Endoskopie und ambulantes Operieren wird speziell geschultes Personal benötigt – das ist oft schwer zu bekommen und entsprechend gut bezahlt.

Wer sich lieber medizinnäher weiterbilden möchte, sollte sich zunächst einmal den Hygienesachkundekurs anschauen. Fakt ist: Nur wenn eine Mitarbeiterin über den entsprechenden Nachweis verfügt, dürfen Medizinprodukte in der Praxis aufbereitet werden. Da die Regierungspräsidien in verschiedenen Bundesländern aktuell damit begonnen haben, das auch zu überprüfen, sind mancherorts die Kurse ausgebucht. Wer sich dafür entscheidet, kann sicher sein, in die eigene Zukunft zu investieren.

Für Dialyse, Endoskopie und ambulantes Operieren wird speziell geschultes Personal benötigt – das ist oft schwer zu bekommen und entsprechend gut bezahlt. Auch die Weiterbildung zur Diabetesassistentin steht MFA offen und damit ein weiter Bereich von der DMP-Schulung bis hin zur Ernährungsberatung, die man auch außerhalb der Praxis anbieten kann, etwa an einer Volkshochschule. Vorsicht ist zur Zeit noch bei der VERAH (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis) angesagt. Da die Weiterbildung noch nicht von den Landesärztekammern anerkannt ist, sollte man sie zumindest nicht aus eigener Tasche zahlen.

Selbst ausbilden

In vielen Regionen schließen sich benachbarte Praxen zur Verbundausbildung zusammen, ein weiteres Betätigungsfeld für erfahrene MFA. Wer die Ausbildungseignungsprüfung ablegt, kann sein Wissen an den Nachwuchs weitergeben.

Eine interessante Frage in vielen Praxen lautet: Ist Fortbildungszeit Freizeit oder Arbeitszeit? Und wer zahlt sie? Eine gute Regelung sieht für eine MFA eine bis zwei Fortbildungen pro Jahr vor – die Themen richten sich nach den Bedürfnissen der Praxis. Wenn der Arbeitgeber die Fortbildung zahlt, sollten Sie als MFA auch damit leben können, wenn die Zeit nur teilweise oder gar nicht auf die Arbeitszeit angerechnet wird. Schließlich profitieren Sie selbst langfristig auch von neuem Wissen – das ist entscheidender als ein kurzfristiger Stundenvorteil. Manche Praxen vereinbaren als Ausgleich für erfolgreich absolvierte Fortbildungen ein Punktesystem, das letztendlich ein höheres Gehalt bescheren kann. Wichtig ist es, dass man eine Fortbildungsvereinbarung schriftlich fixiert und man nicht jedes Jahr wieder betteln muss. Weiterbildungen werden in der Regel nur dann übernommen, wenn die Praxis einen akuten Bedarf hat.

Was man beim Abschätzen von Aufwand und Nutzen nicht unterschätzen sollte: Fort- und Weiterbildungen helfen nicht nur Ihrem Verstand. Sie helfen Ihnen auch, ein persönliches Netzwerk im Kolleginnenkreis aufzubauen und zu pflegen. Und oft profitiert man von diesem Netzwerk mindestens genauso viel wie von einer Fort- oder Weiterbildung selbst.

Beate Rauch-Windmüller / RM

Webtipp

Seminarangebote u. a. bei
www.bildungswerk-gesundheit.de
und den KVen und Landesärztekammern