05.09.2012
Ausgabe 4/2012, S. 4
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Fort- und Weiterbildung

Effizientes Lernen mit dem Zirkel

Das Angebot an Fort- und Weiterbildungen für MFA steigt kontinuierlich und davon profitieren Arzt, Praxisteam und Patienten gleichermaßen. Wir haben für diese Ausgabe zwei Angebotsformen herausgepickt: Das Curriculum der Bundesärztekammer und die Qualitätszirkel.

© Alexey Klementiev, Digitalpress – fotolia.com, bearbeitet
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Der Beruf der MFA ist längst keine Sackgasse mehr und je nach individueller Neigung gibt es viele verschiedene Wege der Weiterentwicklung. Die drei Hauptwege sind dabei:

Zu den etablierten Anbietern von Fort- und Weiterbildungen zählen die Ärztekammern, allen voran die Bundesärztekammer (BÄK). Sie bietet für MFA mittlerweile ein ganzes Spektrum an strukturierten und zertifizierten Kursen an. Direkt umsetzbar sind die erworbenen Fachkenntnisse in puncto Organisation und Koordination, etwa in den Disease Management Programmen zur Behandlung chronisch Kranker (Case Management). Geschulte MFA koordinieren hier alle Dienste, halten engen Kontakt zu den Patienten und pflegen das komplexe Betreuungsnetzwerk.

Betriebswirtin im Gesundheitswesen

Diagramm
Quelle: Bundesärztekammer
So könnte der Karriereweg einer MFA aussehen: Weiterbildung zur Betriebswirtin im Gesundheitswesen.


Zusammen mit verschiedenen Landesärztekammern sowie dem Verband medizinischer Fachberufe arbeitet die BÄK zur Zeit an einer Fortbildung nach § 54 Berufsbildungsgesetz zur Betriebswirtin im Gesundheitswesen. Sie wird 1.250 Stunden umfassen und soll auf einschlägige Fachhochschulstudiengänge anrechenbar sein. Deshalb ist auch die Fachhochschule Bielefeld an der Erarbeitung beteiligt. Betriebswirtinnen im Gesundheitswesen sollen in größeren ambulanten Einrichtungen wie regionalen Versorgungszentren, Praxisverbünden oder Ärztenetzen Verwaltungs-, Organisations- und Managementaufgaben übernehmen. Die Fortbildungsmaßnahme umfasst acht Module zu den Themen:

Die Musterregelung soll von verschiedenen Landesärztekammern umgesetzt werden, wahrscheinlich zuerst in Schleswig-Holstein bereits ab Sommer 2013. Der Deutsche Ärztetag 2012 in Nürnberg hat die Betriebswirtin im Gesundheitswesen als attraktive Berufsperspektive für Medizinische Fachangestellte begrüßt.

Qualitätszirkel

Auch eine alte Form der Fortbildung hält jetzt endlich bei den MFAs Einzug: die Qualitätszirkelarbeit. Bekannt ist uns dieser Begriff schon lange aus dem ärztlichen Bereich, nun wird er nach und nach in einigen Bereichen auch für MFAs etabliert. So bietet der Hausärzteverband seit dem letzten Jahr Qualitätszirkel zum Thema hausarztzentrierte Versorgung (HZV) kombiniert mit einem praxisnahen Thema an.

Was ist der Vorteil der Qualitätszirkelarbeit? Nun, ältere Kolleginnen verfügen über einen reichen Erfahrungsschatz und junge Kolleginnen über viele neue Ideen. Bringt man diese Eigenschaften zusammen an einen Tisch, können Probleme zeitnah diskutiert und gelöst werden.

Wie läuft das ab? Ganz einfach: Man trifft sich mit anderen MFA regelmäßig (z. B. viermal im Jahr oder öfter) zum Austausch. Das Thema kann (wie beim Hausärzteverband) vorgegeben sein oder die Gruppe sucht sich die Themen aus, die für sie wichtig sind, etwa Qualitätsmanagement oder Ausbildung. Mit der Zeit entsteht ein Vertrauensverhältnis, das es leichter macht, Wissen abzugeben und anzunehmen.

Jeder Qualitätszirkel braucht eine Leitung – die Moderatorin. Sie sollte idealerweise eine Moderatorenausbildung absolviert haben, wie sie zum Beispiel von vielen Kassenärztlichen Vereinigungen oder dem Bildungswerk des Verbandes medizinischer Fachberufe angeboten wird.

Diese Moderatorin ist für die Einladungen (E-Mail) und die Organisation des Qualitätszirkels verantwortlich. Das Kurzprotokoll, das es von jedem Treffen gibt, kann aber reihum von jedem Mitglied des Zirkels geschrieben werden.

Kooperation im Vordergrund

Picture-Factory – fotolia.com
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Anders als bei normalen Fortbildungen steht nicht vorne eine Referentin oder ein Referent, der Wissen an die Teilnehmer heranbringt, sondern die Gruppe diskutiert über wichtige Themen oder erarbeitet zusammen notwendige Dinge für die Praxis, zum Beispiel: QM-Dokumente, Ausbildungspläne, Arbeits- und Verfahrensanweisungen. Die Ideen für die gemeinsame Arbeit sind unbegrenzt. Bei dieser Form des Lernens bleibt viel mehr Wissen hängen als bei einem Frontalvortrag und es macht einfach mehr Spaß. Und der wichtigste Grund für die Qualitätszirkelarbeit: man ist nicht allein.

Man hat die Möglichkeit sich auszutauschen und wenn man mit dem Gefühl den Anderen geht es auch so nach Hause geht, kann das für die weitere Arbeit in der Praxis ein kräftiger Motivationsschub sein.

Beate Rauch-Windmüller

Webtipps

Informationen zu den Kursen der BÄK finden Sie hier: