07.06.2018
Ausgabe 2/2018, S. 12
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Qualität bei planbaren Operationen

Das richtige Krankenhaus finden

Viele Operationen sind kompliziert und erfordern vom Behandlungsteam viel Erfahrung. Und zahlreiche Studien belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen Fallzahlen und Qualität der Behandlung gibt. Ein Online-Angebot hilft Patienten und Praxisteams, bei planbaren Operationen das passende Krankenhaus zu finden.
© Romolo Tavani - stock.adobe.com
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Wer sich operieren lassen muss, steht vor wichtigen Fragen: Welche Klinik hat mit dem geplanten Eingriff die größte Erfahrung? Wo gibt es die wenigsten Komplikationen? Zahlreiche Studien belegen eindrucksvoll, dass es bei planbaren Operationen für die Patienten und die einweisenden Praxen besonders wichtig ist, auf die Fallzahlen zu schauen: Wie oft führt das betreffende Krankenhaus die jeweilige OP durch? Der sogenannte „Volume-outcome-Zusammenhang“ - wer öfter operiert hat im Schnitt bessere Ergebnisse - gilt längst als gesichert. Aus diesem Grund sind für bestimmte komplizierte Eingriffe auch Mindestmengen eingeführt worden, die von den jeweiligen Krankenhaus-Abteilungen erfüllt werden müssen.

Wohnortnähe oder Qualität? Beides!

Doch für die meisten Operationen gibt es diese gesetzlichen Mindestvorgaben nicht. Das führt dazu, dass viele Kliniken in Deutschland selbst komplizierte OPs nur gelegentlich durchführen. Fehlende Routine und mangelnde Spezialisierung von Ärzten und OP-Teams führt zu entsprechend schlechten Ergebnissen für die Patienten. So liegt zum Beispiel bei Darmkrebs-Patienten das Risiko, schon während des Krankenhausaufenthaltes zu versterben, in nicht spezialisierten Kliniken um 21 Prozent höher als in Zentren, die von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert sind.

Aktuelle Analysen des WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) zeigen am Beispiel der Darmkrebsoperationen, dass die Versorgung der Patienten durch eine Zentralisierung deutlich verbessert werden könnte. So sind 2015 in Deutschland rund 44.000 Darmkrebsoperationen in mehr als 1.000 Krankenhäusern vorgenommen worden. Doch von allen Kliniken, die diese Operation angeboten haben, führte ein Viertel den Eingriff nur maximal 17 Mal im Jahr durch, ein weiteres Viertel hatte nur zwischen 18 und 33 Eingriffe. Experten

kritisieren diese „Gelegenheitschirurgie“. Und viele Kassen und Verbände, darunter auch die AOK, fordern eine stärkere Zentralisierung und Spezialisierung der Kliniken bei solchen komplizierten und planbaren Eingriffen.

Dürften nur noch zertifizierte Zentren beziehungsweise Krankenhäuser mit mindestens 50 Darmkrebsoperationen solche Eingriffe durchführen, blieben nach Berechnungen des WIdO bundesweit 385 Kliniken für die operative Versorgung übrig.

Dass dies keine massiven Einschränkungen bei der Wohnortnähe - einem für Patienten wichtigen Kriterium - bringt, hat das WIdO am Beispiel der Darmkrebsoperationen durchgerechnet. Demnach würde sich der mittlere Anfahrtsweg für Patienten bundesweit gerade einmal von acht auf 16 Kilometer verlängern. Im dicht mit Krankenhäusern versorgten Nordrhein-Westfalen würde der mittlere Anfahrtsweg von sechs auf lediglich zehn Kilometer steigen. Die höchsten mittleren Fahrwege ergeben sich mit 33 Kilometern in Mecklenburg- Vorpommern. Letztlich wären es nur wenige Regionen in Deutschland, für die bei diesem Szenario etwas längere Wege anfallen.

Doch was ist letztlich wichtiger? Ein paar Kilometer weniger Anfahrt oder eine bessere medizinische Versorgung? Nach den Analysen des WIdO ist nicht nur bei Krebsoperationen, sondern auch bei anderen planbaren Eingriffen wie Hüftprothesenoperationen und sogar in der Notfallversorgung eine stärkere Zentralisierung nötig und möglich. Patientenbefragungen zeigen zudem, dass die Menschen schon jetzt längere Wege in Kauf nehmen, um in guten Krankenhäusern versorgt zu werden.

Der Krankenhausnavigator als Informationszentrale

Die Information, wie oft eine Klinik eine bestimmte Operation zuletzt durchgeführt hat, liefert der AOK-Krankenhausnavigator (siehe Kasten). Das kostenlose und für jeden Interessierten verfügbare Portal unterstützt Patienten bei der Suche nach einem geeigneten Krankenhaus. Auch Praxisteams können Patienten, bei denen eine OP erforderlich ist, auf diesen besonderen Internetservice hinweisen, wenn sich die Frage stellt: Welches Krankenhaus ist das richtige?

Neben den Fallzahlen sind im Krankenhausnavigator weitere Daten aus den Qualitätsberichten der Kliniken abrufbar (siehe Kasten) - und Informationen zur Behandlungsqualität, die man nur hier findet. So informiert der Krankenhausnavigator darüber, in welchen Kliniken bei bestimmten Eingriffen häufiger Komplikationen auftreten und wo sie seltener vorkommen. Diese Auswertungen basieren auf der sogenannten „Qualitätssicherung mit Routinedaten“ (QSR) und werden bundesweit für alle Krankenhäuser angezeigt, die die jeweiligen OPs durchführen. Aktuell liegen QSR-Daten für acht Behandlungen vor:

Der AOK-Krankenhausnavigator

© AOK
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Der AOK-Krankenhausnavigator versteht sich in erster Linie als Orientierungshilfe für Nutzer ohne medizinisches Vorwissen. Fast 5.000 allgemeinverständlich übersetzte Fachbegriffe, ein integrierter Diagnosen-Dolmetscher und verständliche Erklärungen unterstützen bei der Suche nach dem passenden Krankenhaus. Praxisteams können das Portal nutzen, etwa um die Behandlungsergebnisse von verschiedenen Krankenhäusern zu vergleichen und dadurch ihre Patienten bei der Suche gezielt und umfassend beraten zu können. Das Portal bietet folgende Infos:

  • Zahl der Behandlungsfälle mit Einordnung, ob eine OP in der betreffenden Krankenhausabteilung überdurchschnittlich oder unterdurchschnittlich oft durchgeführt wurde.
  • Informationen zur Behandlungsqualität für acht ausgewählte Behandlungen wie zum Beispiel Prostata-OPs auf Basis der Qualitätssicherung mit Routinedaten (QSR): Drei AOK-Lebensbäume bedeuten überdurchschnittliche Qualität, zwei Bäume stehen für durchschnittliche Qualität und ein Baum für unterdurchschnittliche Qualität.
  • Daten zur behandlungsrelevanten Ausstattung, zur Patientensicherheit und zur Hygiene aus den Qualitätsberichten der Kliniken.
  • Ergebnisse einer bundesweiten Zufriedenheits-Befragung der Patienten nach ihrem Krankenhausaufenthalt.

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