20.03.2019
Ausgabe 1/2019, S. 8
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Neue Richtlinie

Das DMP Asthma wird jünger

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat das DMP Asthma bronchiale in einigen Punkten ergänzt und spezifiziert. Zu den wesentlichen Neuerungen gehört die Teilnahmemöglichkeit für Kinder bereits ab dem 2. Lebensjahr. Die neue Richtlinie gilt ab dem 1. April 2019.
© photomim - stock.adobe.com
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Asthma-Patienten sind zwar ständig der Gefahr eines Anfalles ausgesetzt, können aber nahezu beschwerdefrei leben, wenn sie medikamentös gut eingestellt und richtig geschult sind. Die Patienten können dabei von der intensiven Betreuung im DMP sehr gut profitieren, daher werden die DMP-Richtlinien immer an den aktuellen Stand des Wissens angepasst: Dafür führt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) umfassende Recherchen durch.

Beim DMP Asthma kam das IQWiG zu dem Ergebnis, dass das DMP an keiner Stelle dringend überarbeitet werden muss - allerdings identifizierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einige Aspekte, die jetzt in einer neuen Richtlinie ergänzt und spezifiziert wurden.

Teilnahme bereits ab dem 2. Lebensjahr

Zukünftig können auch Kinder unter fünf Jahren im DMP behandelt werden. Insbesondere die Anforderungen an die Diagnostik, die differenzierte Therapieplanung und die medikamentöse Dauertherapie wurden um altersgruppenspezifische Regelungen ergänzt.

Begleiterkrankungen

Neu sind Hinweise auf den Einfluss bestimmter Begleiterkrankungen, wie Erkrankungen der oberen Atemwege, Adipositas und die gastroösophageale Refluxkrankheit und deren Einfluss auf den Krankheitsverlauf und auf die Therapieplanung.

Maßnahmen bei Multimedikation

Ergänzt wurde ein strukturiertes Medikamentenmanagement für Patientinnen und Patienten, die aufgrund mehrerer Erkrankungen dauerhaft mindestens fünf Arzneimittel einnehmen müssen. Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt soll mindestens jährlich alle eingenommenen Arzneimittel einschließlich Selbstmedikation erfassen und deren mögliche Wechsel- und Nebenwirkungen berücksichtigen. Ziel ist es, Therapieänderungen oder Dosisanpassungen frühzeitig vornehmen zu können. Ein aktueller Medikationsplan wird Teil der Patientenakte.

Einteilung anhand der Asthmakontrolle

Statt der bisherigen Einteilung des Asthmas nach Schweregraden ist die Asthmakontrolle für die langfristige Verlaufskontrolle und als Grundlage für die Therapie geeigneter. Das Konzept der Asthmakontrolle beschreibt die Beeinträchtigung der oder des Erkrankten, es umfasst die Symptomkontrolle sowie die Risikoabschätzung.

Bedeutung des Rauchens

Analog der Regelungen im DMP COPD wurden Regelungen für eine engmaschige Betreuung und Aufklärung über die negativen Folgen des Tabakkonsums auf Symptomatik und Verlauf des Asthmas bronchiale aufgenommen. Insbesondere sollen die Patientinnen und Patienten Zugang zu strukturierten, evaluierten und publizierten Tabakentwöhnungsprogrammen erhalten. Zudem sind Betreuungspersonen asthmakranker Kinder über die besonderen Risiken des Passivrauchens zu informieren.

Die vielen Rollen der MFA

Fehler bei der Lungenfunktionsmessung
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Fehler bei der Lungenfunktionsmessung. An den Fluss-Volumen-Kurven können Sie erkennen, welche Fehler bei der Messung gemacht wurden. Blau: optimale Mitarbeit, orange: eingeschränkte Mitarbeit.

Den MFA fallen im Rahmen des DMP Asthma häufig mehrere Aufgaben zu, darunter:

Die Lungenfunktionsmessung (Spirometrie) ist eine einfache, nicht invasive Methode, um Lungenvolumina und Atemstromstärken zu messen. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, Asthma bronchiale zu diagnostizieren und den Therapieerfolg zu kontrollieren. Die Aussagekraft der Ergebnisse hängt entscheidend davon ab, dass der Patient gut mitarbeitet und alle Vorgänge richtig ausführt. Die häufigsten Fehler können Sie an der Form der Kurve erkennen, wir haben sie in der Abbildung oben auf dieser Seite noch einmal zusammengefasst.

Individueller Notfallplan

Schon ein kurzer Kontakt mit einem Allergen kann einen Asthmaanfall auslösen. Der Notfallplan gibt dem Patienten und seinen Angehörigen Hilfestellung für diese Situation. Das DMP Asthma sieht vor, dass der behandelnde Arzt den Notfallplan zusammen mit dem Patienten ausfüllt. Dieser sollte ihn zusammen mit den Notfallmedikamenten immer mit sich führen.

Gutes Selbstmanagement ist wichtig und wird in Schulungen vertieft. Patienten müssen Anweisungen zur täglichen Asthmakontrolle sowie zur Erkennung und zum Umgang mit akuten Symptomen erhalten. Bei den Verlaufskontrollen ist es wichtig, dass der Selbstmanagementplan regelmäßig besprochen und gegebenenfalls angepasst wird. Ziel ist es, dass annähernd alle Teilnehmer (mindestens 90 Prozent) einen schriftlichen Selbstmanagementplan haben.

Anleitung zum korrekten Inhalieren

Die meisten Medikamente werden per Inhalation verabreicht, weil das Medikament gezielt an den Wirkort gelangt. Im Vergleich zur Einnahme als Tablette genügt so eine deutlich geringere Dosis. Dadurch sind die Nebenwirkungen geringer, da weniger Wirkstoff über den Blutkreislauf in andere Organe gelangt. Außerdem tritt die Wirkung, vor allem bei Bronchien erweiternden Medikamenten, in der Regel schneller ein. Allerdings hängt die Menge des Wirkstoffs, der in die Bronchien gelangt, davon ab, dass der Patient das Medikament richtig inhaliert. Nach einer anfänglichen Einweisung sollte die Inhalationstechnik des Patienten im Rahmen des DMP regelmäßig überprüft werden. Lassen Sie sich an einem Dummy zeigen, wie der Patient das Gerät benutzt und korrigieren sie ihn bei Bedarf. Die wichtigsten Punkte:

Entsprechende Videos finden Sie beim Webtipp der Atemwegsliga.

Formulare Notfallplan und Tagebuch

Die AOK bietet auf ihrer Internetseite Formulare für einen Asthma-Notfallplan und für ein Patienten-Tagebuch zum kostenlosen Download an. Das tägliche Eintragen der Peak-flow-Werte unterstützt das Selbstmanagement der Patienten. Es hilft ihnen, ihre Krankheit richtig einzuschätzen und zu verstehen, welche Einflüsse ihr Asthma verschlechtern.

www.aok.de/asthma-notfallplan


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