12.06.2019
Ausgabe 2/2019, S. 12
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Notfallkoffer, Notfallplan & Co.

Gut gerüstet für den Notfall

Eine Hausarztpraxis muss auf viele Eventualitäten vorbereitet sein, auch auf Notfälle. Wir haben für Sie zusammengestellt, was es beim Erstellen eines Notfallplans und beim Packen und Kontrollieren der Notfallausstattung zu beachten gibt.
© pattilabelle - stock.adobe.com
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Notfälle können immer und überall passieren – sie gehören in einer Hausarztpraxis aber sicher nicht zur täglichen Routine. Deshalb ist es umso wichtiger, dass das gesamte Praxisteam auf kritische Situationen vorbereitet ist und im Fall der Fälle souverän reagiert und den Notfallpatienten umgehend versorgt.

Zu Notfällen zählen sowohl persönliche oder telefonische Meldungen des Patienten mit einer bedrohlichen Gesundheitsstörung als auch die Fälle, die sich erst in der Arztpraxis ereignen, wie beispielsweise allergische Reaktionen.

Um einen Notfall schnell zu erkennen, sollten die wichtigsten Merkmale wenigstens einmal jährlich im Team durchgesprochen werden. In einer Hausarztpraxis sieht die Liste möglicher Notfälle ganz anders aus als zum Beispiel in einer Kinderarztpraxis oder bei einem Orthopäden. Für jeden definierten Notfall sollte es eine Fragenliste geben, die an der Rezeption liegt und bei einem entsprechenden Anruf sofort greifbar ist.

Damit im Fall der Fälle nicht alle Kolleginnen und Kollegen nach dem Notfallkoffer suchen und keiner sich um den Patienten kümmert, ist eine eindeutige Klärung der Aufgaben im Notfall von Vorteil. Dazu gehören die folgenden Punkte:

Der Notfallplan

Für all diese Eventualitäten sollte ein schriftlicher Notfallplan aufgestellt werden und so in der Praxis aufgehängt, dass er für alle Mitarbeiter sichtbar ist. Neben den Verantwortlichkeiten und Abläufen zur Versorgung von Notfallpatienten gehören hier auch aktuelle Notfallnummern hin und der klare Hinweis auf den Standort der Notfallausstattung.

Denn tritt tatsächlich einmal der Ernstfall auf und Sie oder der Arzt benötigen den Notfallkoffer, darf natürlich nicht die große Sucherei starten. Er braucht einen festen Platz, an dem er immer zu finden ist. Und natürlich spielt es keine Rolle, ob es sich tatsächlich um einen Koffer handelt.

Eine Tasche oder ein Rucksack erfüllen die gleiche Aufgabe. Wichtig ist, dass die Anordnung der Medikamente und Instrumente einen reibungslosen und sicheren Zugriff gewährleistet. Die Notfallausstattung muss auch verfügbar sein, wenn beispielsweise der Patient auf dem Parkplatz der Arztpraxis einen Notfall erleidet.

Was gehört in den Notfallkoffer?

Was in den Notfallkoffer gehört, ist praxisindividuell festzulegen – auch wenn es natürlich vorgefüllte Koffer zu kaufen gibt und Normen (u. a. DIN 13232) regeln, was elementar in einen solchen Koffer gehört:

Im Hinblick auf Notfallmedikamente und technische Geräte wie Sauerstoffflaschen und Defibrillator ergeben nur solche Dinge Sinn, mit deren Anwendung Arzt und Praxisteam vertraut sind. Ein Defibrillator nutzt nur dann, wenn er auch bedient werden kann. Ist er aber vorhanden, müssen alle Mitglieder des Praxisteams damit geschult sein. Die Notfallausstattung muss regelmäßig (mindestens einmal im Jahr) auf Vollständigkeit des Inhalts überprüft werden. Zudem sollten die Medikamente und andere Utensilien alle drei Monate auf ihr Haltbarkeitsdatum hin überprüft werden. Diese Aufgabe wird im QM-Handbuch festgehalten und die Überprüfung entsprechend dokumentiert.

Übung macht den Meister

© ginton - stock.adobe.com
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Ein Defi ist sinnvoll, wenn man ihn bedienen kann.

Alle MFA müssen den Einsatz der Notfallausstattung und der Versorgung der Notfallpatienten beherrschen. Dazu sollten in geplanten Abständen Teamschulungen zur Erkennung und unverzüglichen Versorgung von Notfallpatienten durchgeführt werden. Am besten übt das gesamte Team dabei in der eigenen Praxis, und das nicht nur einmal nach der Eröffnung der Praxis, sondern regelmäßig. Wichtig bei der Auswahl eines Schulungspartners ist es, dass er auf Notfalltrainings spezialisiert ist, weil dann die Abläufe und Stressfaktoren besser eingeübt werden können. Wenn Sie in Ihrer Praxis keinen festen Schulungspartner haben, können Sie Hilfsorganisationen wie DRK und ASB ansprechen.

Die Unfallverhütungsvorschrift der Berufsgenossenschaft legt fest, dass ab zwei Mitarbeitern ein Ersthelfer und bei mehr als 20 Mitarbeitern zehn Prozent der Mitarbeiter als Ersthelfer für Erste-Hilfe-Leistungen zu qualifizieren sind. Diese Anforderungen sind bereits mit der Qualifikation z. B. als Medizinische(r) Fachangestellte(r), als Gesundheits-und Krankenpfleger/-in oder als Schwesternhelfer/-in erfüllt. Allerdings wird die regelmäßige Fortbildung für diese Ersthelfer gefordert: Entweder nehmen diese an entsprechenden Fortbildungsmaßnahmen teil (Teilnahme an Erste-Hilfe-Training alle zwei Jahre) oder sie führen regelmäßig Erste-Hilfe-Maßnahmen bei ihren beruflichen Tätigkeiten durch.

Zum Training gehört auch die Manöverkritik nach einem Notfall. Warum ging es diesem Patienten so schlecht? Warum hat der Arzt diese und jene Anweisung gegeben? Was lief gut, was sollte verbessert werden? Wichtigste Aufgabe eines Hausarztteams ist es immer, den Patienten zu stabilisieren und auf die Weiterbehandlung durch den Notarzt vorzubereiten. Aber das können die entscheidenden Minuten sein.

Notfallplan

Notfallausstattung

  • Inhalt (Checkliste)
  • Standort
  • Zuständigkeit und Turnus der Überprüfung

Notfallerkennung und -versorgung

  • Kriterien zur Erkennung eines Notfalls
  • Maßnahmen im Notfall
  • regelmäßige Kurzschulungen der Mitarbeiter