27.11.2019
Ausgabe 4/2019, S. 12
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Qualitätscheck mit QuATRo

Behandeln mit der Ampel

Das Projekt QuATRo ermöglicht es Praxen in Arztnetzen, die eigene Versorgungsqualität mit der von anderen Praxen zu vergleichen. Es liefert individuelle Auswertungen, die auch wichtige Hinweise für die Arbeit der Medizinischen Fachangestellten geben.
Diagramm
© AOK

Wie können wir unsere Patienten noch besser versorgen? Das ist das zentrale Thema im QuATRo-Projekt. Die Abkürzung steht für Qualität in Arztnetzen - Transparenz mit Routinedaten. Die QuATRo-Auswertungen zeigen Arztpraxen unter anderem, wie häufig notwendige Kontroll- und Vorsorgeuntersuchungen im Vergleich mit anderen Praxen eines Arztnetzes durchgeführt oder wie oft die angezeigten Medikamente für bestimmte Erkrankungen verschrieben werden. Sie liefern auch wichtige Hinweise für die Arbeit der Medizinischen Fachangestellten in den beteiligten Praxen. So geben die QuATRo-Berichte zum Beispiel Auskunft über die Influenza-Impfraten bei älteren Patienten - eines von vielen Themen, bei denen ein gutes Praxismanagement gefragt ist.

Das Arztnetz GUAD im bayerischen Arberland nutzt die QuATRo-Ergebnisse zum Beispiel für die Arbeit einer Hausärztlichen Diabetes-Managerin, die speziell für die Betreuung von Diabetespatienten ausgebildet ist. Als Hauptverantwortliche betreut sie diese Patienten in einem Team von Ansprechpartnerinnen aus den einzelnen Praxen. Sie hat so den Überblick über alle Diabetespatienten im Netz. Über ein Kummertelefon ist sie jederzeit für die Patienten erreichbar und hilft immer dann, wenn der Arzt nicht unbedingt gebraucht wird - etwa, wenn das Zuckermessgerät nicht funktioniert. Das entlastet die Ärzte, trägt zu einer großen Patientenzufriedenheit bei und stellt sicher, dass die vorgesehenen Kontroll- und Routineuntersuchungen regelmäßig vorgenommen werden. Ähnliche Angebote gibt es für die Betreuung von Patienten mit Asthma oder bei depressiven und älteren Patienten.

Aktuell nehmen bundesweit 33 Arztnetze am QuATRo-Projekt teil. Auch in drei Verträgen zur hausärztlichen Versorgung kommt dieses Instrument zur Anwendung, um die hausärztliche Versorgung der Patienten zu verbessern. Die QuATRo-Auswertungen basieren auf aggregierten und pseudonymisierten Abrechnungsdaten von AOK-Patienten. Sie liegen der Krankenkasse bereits vor und erfordern keinen zusätzlichen Dokumentationsaufwand für die beteiligten Praxen.

Viele Indikatoren

Bisher fließen 57 Indikatoren in die Analyse ein, die verschiedene Aspekte der Qualität abbilden. Das Set beinhaltet indikationsspezifische Werte für Diabetes mellitus Typ 2, koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, COPD, Asthma, Rückenschmerz und Depression sowie indikationsübergreifend zur Pharmakotherapie und zum Thema Prävention.

Die standardisierte Qualitätsmessung mit QuATRo und den dadurch möglichen Vergleich mit anderen Arztpraxen können die Praxen für ihr internes Qualitätsmanagement nutzen. Erste Analysen zeigen, dass die Mehrheit der Arztnetze, die sich an QuATRo beteiligen, ihre Patienten bereits gut versorgen. Beispielsweise erhalten Patienten mit koronarer Herzkrankheit und Herzinsuffizienz häufiger leitliniengerechte Medikamente als außerhalb der Arztnetze.

Um die Behandlung weiter zu verbessern, ist ein Qualitätsdialog zwischen den beteiligten Arztpraxen notwendig. Daher werden die netzinternen Qualitätsergebnisse zum Beispiel in Qualitätszirkeln gemeinsam erörtert und Handlungsoptionen besprochen. Zur Priorisierung der notwendigen Handlungsfelder für solche Gespräche werden die Qualitätsergebnisse in QuATRo mit einem Ampelschema übersichtlich dargestellt.

Ausgezeichnetes Engagement

Nicht nur die Patienten der Praxen profitieren von der praxis- bzw. netzinternen Qualitätsarbeit. So erhalten Arztnetze, die sich im Rahmen von QuATRo aktiv für mehr Qualität engagieren und zudem positive Effekte erzielen, eine Auszeichnung. Eine solche Auszeichnung in Silber erhielt im letzten Jahr u. a. das Gesundheitsnetz HaffNet in der Region Vorpommern-Greifswald (siehe Interview).

Interview

Portrait
© privat

Silvia von Malleck ist MFA in der Hausarzt-Praxis von Dipl.-Med. Angelika Gerhardt im HaffNet.

Wie werden Ihre und andere Praxen in die Auswertung der QuATRo-Daten einbezogen?

Das Ärztenetz erhält regelmäßig den QuATRo-Report für das gesamte Netz und kann mittels eines Auswertungstools den Report für alle teilnehmenden Praxen erstellen. Dieser QuATRo Bericht wird dann auf einer Netzkonferenz vorgestellt und entsprechend analysiert. Insgesamt gesehen haben wir durch die QuATRo-Daten die Möglichkeit Versorgung zu verbessern und bei Auffälligkeiten gegenzusteuern.

Wie werden die QuATRo-Ergebnisse in Ihrer Praxis bekannt gemacht?

Wir haben regelmäßige Teambesprechungen. Da werden die praxisinternen QuATRoDaten und die Daten des HaffNets ausgewertet.

Sind alle Mitarbeiter bei der Umsetzung involviert?

Bei unseren Arbeitsgesprächen sind alle MFA der Praxis anwesend. Jeder kennt also die QuATRo-Ergebnisse und weiß, wo Verbesserungen möglich sind. Die MFA können auf alle Patientendaten zugreifen und so aktiv an der Umsetzung teilnehmen.

Wie stellen Sie die Dokumentation und Kontrolle konkret sicher?

Unsere Diabetes-Patienten haben z. B. seit der Beschäftigung mit den QuATRo-Auswertungen einen Button für die jährlich zu wiederholenden Untersuchungen im Patientenfeld. Aber auch die DMPs haben da schon eine Entwicklung gebracht.

Was motiviert Sie besonders an der Arbeit mit QuATRo-Daten?

Es ist immer spannend, die Veränderung der Qualitätsparameter von Jahr zu Jahr im Vergleich zu anderen Netzen zu sehen. Dadurch entsteht der Ansporn, unsere Netzergebnisse und so die Qualität der Patientenversorgung zu verbessern.

Können Sie sich eine Ausweitung der Handlungsfelder vorstellen?

In unserer Praxis haben wir schon gute Ergebnisse besonders bei der Betreuung von Patienten mit Diabetes und koronarer Herzkrankheit erzielt. Wir planen aber die Ausweitung auf COPD- und Asthmapatienten und die Durchführung von Impfungen


QuATRo: Therapiebewertung nach 57 Kriterien


Aktuell beinhaltet QuATRo 57 Indikatoren, die unterschiedliche Aspekte der Patientenversorgung abbilden. Indikationsspezifische Indikatoren für chronische Erkrankungen ermöglichen einen Überblick über die erkrankungsspezifische Behandlung der Patienten. Ergänzt werden sie durch indikationsübergreifende Indikatoren und zur Steuerung und Koordinierung der Versorgung.

Der eigene Praxiswert lässt sich anschließend vergleichen mit dem:

Auf diese Art erhalten die Praxen eine zuverlässige Übersicht über die Versorgung ihrer Patienten und konkrete Hinweise auf Optimierungsmöglichkeiten.